Dr. Quincy – vom Gerichtsmediziner zum Fernsehhelden

Halb Detektiv, halb Wissenschaftler erobert Dr. R. Quincy ab Oktober 1976 die Fernsehbildschirme in den USA. Erst viereinhalb Jahre später löst der Gerichtsmediziner seinen ersten Fall im deutschen Fernsehen. Auch wenn Prof. Dr. Katharina Tiemann, Mitgründerin der Hämatopathologie Hamburg und Pathologin, klar stellt: „Während Quincy Zeugen befragt, untersuchen wir Proben im Labor.“ Der grauhaarige Charmeur legt den Grundstein für den Gerichtsmediziner als Fernsehhelden.

„Meine Herr’n, wir kommen jetzt zu einem der interessantesten Kapitel der Polizeiarbeit, dem Kapitel der Gerichtsmedizin.“ Insgesamt 148 Mal begrüßte Jack Klugman alias Quincy M.E. – so der Originaltitel der US-Serie – fünf junge Polizisten und die Zuschauer im Vorspann. Ein grünes Q wurde zum Erkennungszeichen der, in Deutschland kurz „Quincy“ genannten Serie. Innerhalb des großen grünen Q spielte sich auch der Großteil des Vorspanns ab und erinnerte dabei an ein Fadenkreuz.

Sieben Jahre lang ging der Gerichtsmediziner von 1976 bis 1983 auf Mörderjagd. Er begründete damit ein eigenes Krimi-Genre im Fernsehen. Einzelne kriminaltechnische Beweisverfahren wie der Vergleich von Fingerabdrücken oder des Kalibers von Kugeln spielten bereits in anderen Serien ein Rolle. Zum ersten Mal stand aber mit Quincy ein forensischer Pathologe im Mittelpunkt einer US-Serie. Sein Charakter basiert lose auf der kanadischen Show „Wojeck“, die es Mitte der 60er auf nur 20 Episoden brachte.

Die ersten 90 Minuten langen Quincy-Folgen liefen im Wechsel mit so populären Formaten wie „Columbo“ im Rahmen der Sunday Mystery Movies des Senders NBC. Später bekam einer der berühmtesten Gerichtsmediziner der Welt einen eigenen Sendeplatz mit 45 Minuten Folgen.

Die Charaktere und die Story

Dr. R. Quincy, der Mann ohne Vornamen, hat seine gut gehende Privatpraxis aufgegeben, um für das gerichtsmedizinische Institut in Los Angeles zu arbeiten. Während seiner Obduktionen fallen ihm immer wieder Ungereimtheiten auf, die auf Morde hindeuten. Da er sich der Wahrheit verpflichtet fühlt und Empathie für seine „Patienten“ entwickelt, untersucht er die Fälle mit detektivischem Spürsinn. Ihm zur Seite steht sein treuer Assistent Sam Fujiyama, ein US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln. Sam gibt oftmals entscheidende Hinweise und versucht seinem Boss den Rücken frei zu halten – gerade auch gegenüber dem Chef der Gerichtsmedizin, Dr. Asten. Asten und Quincy geraten häufig aneinander. Während der Institutsleiter das Budget akribisch zusammenhält und Komplikationen gern vermeidet, lässt Quincy nicht locker und beweist ein ums andere Mal, dass es sich beim vermeintlich natürlichen Tod oder Suizid eines Menschen, um einen Mordfall handelt. Dabei geht er unkonventionell vor und übertritt gern Grenzen. So gibt er sich gegenüber einem Bestatter als Regierungsbeauftragter aus, um eine verdächtige Leiche vor der Feuerbestattung zu retten. Sein eigenmächtiges Handeln bringt ihn zusätzlich in Konflikt mit dem Morddezernat, in Gestalt von Lieutenant Frank Monahan und Sergeant Brill.

Der Frauenheld Quincy lebt auf einem Segelboot im Jachthafen und begründet eine weitere Tradition für gerichtsmedizinische Serien: Sein Freund Danny Tovo betreibt ein Lokal, das der Mediziner als Stammgast besucht. Hier isst, trinkt, feiert und zockt er mit seinen Freunden. Und oft kommen ihm im Restaurant die besten Ideen. Was für Jordan Cavanaugh in „Crossing Jordan“ die Kneipe ihres Vaters und für Bones in der gleichnamige Serie das Royal Diner ist, für Quincy war es Danny’s Place.

Wahrheit oder Pflicht?

Tausendsassa Quincy befragt nicht nur das Mikroskop, sondern auch Zeugen, Experten und wird im Urlaub in Mordfälle einbezogen. So unrealistisch die Polizeiarbeit des Gerichtsmediziners auch ist, so sehr bemühte sich die Produktionscrew medizinisch möglichst korrekt zu arbeiten. Ein echter Gerichtsmediziner stand als Berater bei den Dreharbeiten zur Verfügung und Hauptdarsteller Jack Krugman schaute Pathologen bei einigen Obduktionen über die Schulter. „Am Anfang sei ihm richtig schlecht geworden“, erinnerte er sich später an die ersten Folgen der Serie.

Während sich anfänglich alles um die kriminalistische Aufklärung der Morde dreht, nimmt sich Quincy in späteren Folgen zunehmend gesellschaftlicher Probleme an. Thematisiert werden zum Beispiel das Abladen gefährlicher Abfälle, Kindesmissbrauch, Drogen, aber auch seltene Krankheiten wie das Tourette Syndrom. Die Produzenten wagten damit einiges, denn für eine Fernseh-Serie war das neu. Fundamentale Gesellschaftskritik blieb aber aus, denn die Probleme konnten in der Regel durch eine Einzelperson, meist den Helden selbst, gelöst werden. Immer treu Quincys Motto: „Ohne Menschlichkeit gibt es keine gute Medizin.“

Fakten aus dem Quincy-Verse

  • Glen Larson, der Schöpfer von Dr. Quincy, schuf weitere Serienhits wie Magnum, Knight Rider und Ein Colt für alle Fälle.
  • Quincy-Darsteller Jack Klugman spielt in 147 Folgen mit. In einer Folge verweigerte er die Mitarbeit, weil er das Drehbuch unglaub-würdig fand. In der Folge „Has Anybody Here Seen Quincy?“ stellt sich heraus, dass eine vermeintlich Leiche nicht tot ist. Klugman war sich sicher, dass einem erfahrenen Gerichtsmediziner ein sol-cher Fehler nicht passieren könne.
  • Fans rätseln seit vielen Jahren, wie der eigentliche Vorname von Quincy sein mag. Doch außer dem Anfangsbuchstaben R. ist der bis heute nicht bekannt. Freunde und Freundinnen nannten ihn in der Serie liebevoll Quince.
  • Mehrere Schauspieler tauchen im Laufe der Staffel in verschiede-nen Rollen auf. So auch Anita Gillette, die in einer Folge Quincys verstorbene Ehefrau spielt und in der letzten Staffel die Psycholo-gin Dr. Emily Hanover, die am Ende Quincys zweite Frau wird.

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